12. März 2010
Heute müssen wir schon 06:00 Uhr aufstehen und die Koffer packen. Nach dem Frühstück besichtigen wir die Zitadelle, seit 1993 Unesco Weltkulturerbe. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Eingang muss man über eine Brücke gehen. 174 Vietnam 2010 Hue Zitadelle 4175 Vietnam 2010 Hue Zitadelle 5Im Wasser unterhalb der Brücke schwimmen unzählige Wasserhyazinthen. Das umbaute Gelände ist 5,2 km2 groß und besteht aus Wällen, Kanälen, Gärten, Toren und umfasste einmal 136 Gebäude. Die äußere Mauer ist 11 km lang, bis zu 21 m dick und 6 m hoch. Die Zitadelle Kinh Thanh umschließt die Kaiserstadt Hoang Thanh, welche wiederum die Verbotene Purpurstadt Tu Cam Thanh umschließt.
Über dem Ngo Mon-Tor, dem Haupttor der Zitadelle, suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und Than erklärt uns die Bedeutung der Zitadelle und der Kaiserstadt. Das Bauwerk wurde ab 1802 unter Kaiser Gia Long erbaut. Nach dem Vietnamkrieg wurde hier schon sehr viel restauriert, aber es gibt auch Gebäude, welche sich noch in der Wiederherstellung befinden. In der Zitadelle wohnten die Wächter, Diener, Händler und Handwerker. Die Kaiserstadt war das politische Zentrum und die Verbotene Stadt die Wohnstätte der Kaiserfamilie, deren Hofeunuchen, Dienerinnen und Konkubinen.
182 Vietnam 2010 Hue Zitadelle 12186 Vietnam 2010 Hue Zitadelle 16Die gesamte Anlage ist entsprechend der Nord-Süd-Achse und nach den Prinzipien chinesischer Geomantie ausgerichtet. Der 37 m hohe Flaggenturm Cor Co ist weithin sichtbar. Hier hissten 1968 die Kommunisten ihr Sternenbanner, nachdem sie die Zitadelle gestürmt hatten. Er wurde mehrfach zerstört und letztmals 1949 aufgebaut.
Durch 10 Tore und Brücken ist man in das Innere der Zitadelle gelangt. In der heutigen Zeit befinden sich auf dem Gelände 5 Stadtbezirke und es leben über 50000 Menschen hier. Es gibt Geschäftstrassen und Wohnviertel, Gemüsefelder und Seen. Am Nordrand gibt es ein Gebiet, was nur dem Militär zugänglich ist.
An den beiden Toren Ngan und Quang Duc stehen insgesamt 9 heilige Kanonen. Sie wurden 1803 gegossen und symbolisieren die 4 Jahreszeiten und die 5 Elemente Erde, Wasser, Feuer, Holz und Metall. Kaiser Gia Long ließ sie als Symbol seiner Unbesiegbarkeit aus erbeuteten Waffen herstellen. Sie haben Kaliber 22 sind 5 m lang und wiegen jeweils mehr als 10 t.
187 Vietnam 2010 Hue Zitadelle 17Die Mauern der Kaiserstadt sind etwa 2,5 km lang und 4 m hoch und umgeben eine Festung innerhalb einer Festung. 4 Eingangstore führen in die 4 Himmelsrichtungen. Das Südtor oder auch Mittagstor genannt, war nur der Elite vorbehalten und auch sie durften nur die äußeren Eingänge und Wege nutzen. Die Mitte war dem Kaiser vorbehalten. Von den vielen Gebäuden sind nur sehr wenige erhalten oder wiederhergestellt. Than zeigt uns noch ein Gebäude im Ostteil. Hier werden auch Kopien vieler CDs mit traditionellerMusik verkauft. Than machte uns die Hoffnung, dass wir in Saigon wesentlich günstiger CDs kaufen können und hat deshalb von einem Kauf abgeraten. Leider haben wir kein Geschäft mit dieser typischen Musik Vietnams gefunden.
Die Verbotene Stadt war der private Bereich der Kaiserfamilie innerhalb der Kaiserstadt und von einer 4 m hohen Mauer umgeben. Die 7 Tore hatten einen bestimmten rituellen Zweck. Die Bewohnerzahl der Verbotenen Stadt wird man leicht unterschätzen. Der Kaiser Minh Mang hatte allein 300 Konkubinen in den 5 Pavillons des Harems untergebracht. Die meisten Gebäude der Verbotenen Stadt sind zerstört. Vieles wurde durch die Franzosen 1947 dem Erdboden gleichgemacht und der Vietnamkrieg und das Klima besorgten den Rest. Der Lesepavillon wurde schon wieder nach alten Plänen und Fotos neu errichtet. Einige Gebäude sind noch mit Gerüsten versehen und werden sicher bald zur Besichtigung freigegeben.
189 Vietnam 2010 Unterwegs zum Wolkenpass 2Nachdem wir uns fast 2 Stunden in der Zitadelle aufgehalten haben, wird es Zeit zur Weiterfahrt. Das Wetter hat sich schon etwas gebessert, vor allem ist es wärmer geworden, aber hinter dem Wolkenpass erwarten wir endlich Urlaubswetter. Unser Reiseleiter kommt aus Saigon und ist auch wesentlich wärmeres Wetter gewöhnt. Die Kältewelle ist aber im März typisch für den Norden. Wir fahren auf der Nationalstraße 1 Richtung Süden und haben sehr oft die Gleise des Wiedervereinigungsexpress, der Bahnstrecke zwischen Hanoi und Saigon, in Sichtweite. Wir machen schon vor dem Wolkenpass 2 Pausen und fahren bei Lang Co sogar an das Meer. Than versteht es, uns die Zeit im Bus kurzweilig zugestalten. Manchmal erzählt er eine Begebenheit aus seiner Zeit in Deutschland und manchmal belustigt er uns mit Geschichten aus seinem jetzigen private Umfeld. Uns haben schon die Tränen in den Augen gestanden. Der Bus wird an manchen Stellen von überladenen LKW aufgehalten, welche den Weg über die Berge wählen. Es gibt seit 2005 einen 6,7 km langen Tunnel, der die Fahrt verkürzen und erleichtern soll, aber dann fehlt ja die spektakuläre Aussicht. Der Wolkenpass Deo Hai Van beginnt hinter Lang Co und endet etwa 20 km nördlich von Da Nang. Auf 22 km Länge überwindet er 496 Höhenmeter. 198 Vietnam 2010 ueber den Wolkenpass 4201 Vietnam 2010 ueber den Wolkenpass 7Das Gebirge erreicht hier Höhen bis zu 1400m. 12:25 Uhr haben wir den höchsten Punkt des Wolkenpasses erreicht. Ich hätte hier oben alles erwartet, aber keine Bunker und Geschützstellungen. Der Pass war in den letzten 2000 Jahren immer umkämpft, egal ob von den Kaisern Vietnams, Franzosen, Japanern, Amerikanern, Viet Minh oder Viet Cong. Alle haben ihre Spuren im Fels hinterlassen. Nach einem Fotostopp fahren wir weiter nach Da Nang, wo wir in einem chinesischen Restaurant Mittagspause machen. Bei den im Reisepreis enthaltenen Malzeiten gibt es oft mehrgängige Menüs. So hält er den Aufwand für die Küche klein und die Gruppe bekommt das Essen gleichzeitig. Bei den anderen Malzeiten übernimmt Than immer die Vorauswahl der Speisen, übersetzt alles ins Deutsche und regelt die Preise.
208 Vietnam 2010 Da Nang 5In Da Nang steht der Besuch des Cham-Skulpturen-Museums  Bao Tang Cham an. Die Sammlung stammt aus dem 7. bis 15. Jahrhundert und wurde in den Cham-Stätten der Umgebung gefunden. So etwa in Tra Kieu, My Son und Dong Duong. Die um die Eingangshalle gebauten Ausstellungsräume sind nach diesen Fundstätten geordnet. Der Bau des Museums wurde 1915 begonnen und 1935 erweitert. Jetzt befinden sich über 300 Fundstücke in dem Museum und es ist eine der bedeutensten Sammlungen von Skulpturen aus dem Reich der Cham. Der Rundgang durch das Museum dauert nur etwas über eine halbe Stunde. Am Ausgang befindet sich ein Geldautomat und ich nutze erstmals meine VISA-Karte in Vietnam. Die Gebühr für die Auszahlung wird aufgeschlagen und mit abgebucht. Heute waren es 20000,- VND Gebühr bei 2 Mio. VND Auszahlung.
Wir fahren an der Küste entlang nach Hoi An. Am Strand stehen einige Rohbauten von Luxushotels. 210 Vietnam 2010 Da Nang 7An manchen Betonklötzen wird gebaut und andere warten auf neue Geldgeber. Die Finanzkrise hat auch hier nicht haltgemacht. Hier werden Bettenburgen entstehen und Vietnam nachhaltig verändern. Der Strand ist für die Bevölkerung nicht mehr nutzbar und Tausende Touristen werden täglich zusätzlich die Sehenswürdigkeiten der Umgebung überschwemmen.
Wir übernachten 2-mal im Trails Resort Hoi An und haben jetzt etwas Zeit für uns. Die Zimmer sind sehr schön und geräumig. Die Zimmer unsere Gruppe sind in der gesamten Anlage verteilt. Nach einem Besuch der Bar gehen wir erst einmal in den kühlen Pool. Die Temperaturen in Hoi An sind schon wesentlich angenehmer. Wir wollen uns zum Abendessen verabreden, aber die meisten haben etwas anderes vor. Than empfiehlt uns 2 Restaurants in der Nähe des Hotels. Wir wollen aber vietnamesisch essen und laufen etwas weiter. Mit einem 4er Tisch fangen wir an und in kurzer Zeit brauchen wir eine lange Tafel. Die Gruppe findet sich wieder zusammen und verbringt einen schönen Abend. Bei diesem schönen Wetter bleiben wir auch noch, in kleiner Runde, einige Zeit an der Bar des Hotels sitzen. Und Morgen müssen wir schon wieder sehr zeitig aufstehen.
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