14.03.2010
Than lässt uns heute wieder 30 Minuten länger schlafen. Der Wecker im Handy klingelt 06:30 Uhr, 07:00 Uhr müssen die Koffer vor der Zimmertür stehen und eine Stunde später sitzen wir wieder im Bus. Heute fahren wir über 300 km Richtung Süden nach Qui Nhon. Die Länge dieser Tagesetappe lässt für zeitaufwendige Besichtigungstouren keine Zeit. In der Reisebeschreibung steht: „Die Fahrt … vermittelt interessante Eindrücke des ländlichen Vietnams“.
257 Vietnam 2010 von Hoi An nach My Lai 2Wir verlassen Hoi An um schon kurz hinter dem Ortsausgang die erste Fotopause zu machen. Hier liegt das Restaurantschiff  „Tàu hội nghị Bá Lộc“ vor Anker. Es ist 50 m lang, 19 m breit, 15 m hoch, bietet 460 Sitzplätze und ist aus Stahlbeton. Aus dieser Ansicht sieht das „Schiff“ echt aus. Wir sind gestern schon hier vorbei gefahren, hatten aber für einen Halt keine Zeit. Auf dem Highway Nummer 1 sind wir dann etwas schneller unterwegs. Than erklärt uns warum uns immer wieder Busse überholen und wesentlich schneller fahren. Die Fahrer der Linienbusse fahren die Strecke fast täglich und haben schon viele Polizisten bestochen. Sie können sich fast alles erlauben, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Unser Busfahrer fährt jedoch quer durch Vietnam, hat abwechselnde Touren und muss sich auf die Hinweise der entgegenkommenden Fahrzeuge verlassen. 679 Vietnam 2010 ueberladene Transportmittel 19Durch die eingenommenen Schmiergelder zählen die Polizisten in Vietnam zu den Besserverdienern. Wer als Polizist arbeiten möchte, benötigt entsprechendes Startkapital und Beziehungen. Nur wenn die nächsten Kilometer ohne Kontrollen sind, gibt auch unser Fahrer etwas Gas. In Ortschaften sind für die Busse nur 40 km/h erlaubt. Dadurch macht es aber Spaß aus dem fahrenden Bus zu fotografieren. Than hat uns zwar gebeten ihm zu sagen, wenn der Bus anhalten soll, aber ein fahrendes Moped mit einer großen Ladung Ferkel auf dem Gepäckträger bekommt man auch in Vietnam nicht oft vor die Linse.
An einer Tankstelle machen wir eine kurze Toilettenpause. Hier geht man nur, wenn man unbedingt muss. Die Toiletten sind sicher die Besten im Umkreis, aber trotzdem eine Zumutung.
263 Vietnam 2010 My Lai 3Unser einziges Zwischenziel am heutigen Tag ist  Mỹ Lai, ein Teil des Dorfes Sơn Mỹ, 14 km nördlich von Quảng Ngãi. Die Region galt während des Vietnamkrieges unter den Amerikanern als vietcongfreundliches Gebiet. Am 16.03.1968 rächte sich die US-Armee für den Tod einiger CIs in dieser Region und massakrierte innerhalb kurzer Zeit 504 vietnamesische Zivilisten – die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder. Es wurden sogar sämtliche Tiere getötet. Nur eine Hubschrauberbesatzung rettete elf Frauen und Kinder das Leben. Sie wiedersetzten sich den Befehlen und wurden 30 Jahre später ausgezeichnet. 18 Monate wurde das Massaker verschwiegen und dann doch bekannt. Der verantwortliche Leutnant William Calley wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, aber durch US-Präsident Richard Nixon nach dreieinhalb Jahren begnadigt. Ein Fotograf nahm an der Operation als offizieller Armeereporter teil und dessen Bilder gingen um die Welt und werden auch in der Gedenkstätte gezeigt. Sie befindet auf dem Gelände des Dorfes zusammen mit Resten von verbrannten und zerstörten Gebäuden. Einige Gebäude wurden rekonstruiert und können ebenfalls besichtigt werden. Eine große Gedenktafel erinnert an die Toten. Wir bleiben etwa 45 Minuten in dem Museum und müssen dann weiter.
269 Vietnam 2010 Unterwegs nach Qui Nhon 4Überall wird der Reis zum trocknen ausgelegt. Die Bauern machen dabei auch nicht vor dem Straßenrand und selten genutzten Straßenabschnitten halt. Wir fahren schon mehrere Kilometer und ständig liegt der Reis auf der Straße. Man nimmt in Kauf, dass Fahrzeuge doch einmal über den Reis fahren. Auch einige LKW oder Busse hinterlassen ihren Reifenabdruck. Die Mopeds werden bestimmt zur eigenen Sicherheit den rollenden Untergrund meiden.
268 Vietnam 2010 Unterwegs nach Qui Nhon 3Es ist Zeit für das Mittagessen. In einem Fischrestaurant wollen wir eine Pause einlegen. Sicher sind wir nicht die Ersten, welche hier essen, aber was wir als Gastraum präsentiert bekommen, ist sogar für unseren Reiseleiter zu viel. Er hat am Anfang noch versucht mit dem Personal Ordnung zu schaffen, 271 Vietnam 2010 Unterwegs nach Qui Nhon 6aber an unserer Reaktion gemerkt, dass wir hier nicht essen wollen. Er hat kurz telefoniert und in der Nähe ein anderes Restaurant organisiert. Das war das ganze Gegenteil von der ersten Lokalität. Das Restaurant wurde erst eröffnet und unser Reiseleiter Than machte dem noch unerfahrenen Personal ordentlich Druck. Hier hat man gemerkt, dass er ursprünglich in Deutschland Kellner gelernt hat. Das Essen ist sehr gut und auch die Halle der Harmonie, wie Than die Toiletten umschreibt, ist in Ordnung. Ich bin mir sicher, dass er das erste Lokal nicht noch einmal anfahren wird.
277 Vietnam 2010 Life Wellness Resort 3Endlang zahlreicher Reisfelder fahren wir weiter Richtung Qui Nhon. Die Ernte ist im vollen Gange und LKW werden mit dem getrockneten Reisstroh beladen. Manche Fahrzeuge sehen recht abenteuerlich aus. Unser Hotel liegt etwas außerhalb von Qui Nhon und hat die besten Zimmer der Rundreise. Unseres befindet sich in der unteren Etage und hier sind die besten Zimmer. Die Badewanne, mit Blick auf das Meer, ist im Boden eingelassen. 283 Vietnam 2010 Life Wellness Resort 9Die Zimmer sind riesig und das Hotel liegt direkt am Wasser. Warum macht TUI hier nicht eine längere Pause? Nach dem Abendessen können wir die vielen Fischerbode auf dem Wasser beobachten. Mit riesigen Scheinwerfern locken die Fischer Tintenfische an. Der Wellengang verhindert leider scharfe Fotos.
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