17.03.2010
359 Vietnam 2010 Saigon 8360 Vietnam 2010 Saigon 9Heute steht als erstes Tagesziel das Tunnelsystem von Cu Chi auf dem Plan. Wir fahren durch den morgendlichen Berufsverkehr und kommen nur langsam voran. Das wiederum hat den Vorteil, dass ich sehr gute Motive aus dem stehenden Bus fotografieren kann. Eine Frau wickelt ihr Baby auf dem Moped und natürlich die Unmengen an Mopeds, welche an einer roten Ampel halten müssen. Wir sind um 08:00 Uhr abgefahren und erst eine Stunde später aus dem dicksten Verkehr heraus. Kurz vor dem Tunnelsystem machen wir noch einmal eine Fotopause an einer Kautschukplantage und einer Orchideenfarm. 365 Vietnam 2010 GummibaumDie Gummibäume habe ich schon in einigen anderen Ländern sehen können, aber das Hängematten zwischen den Bäumen befestigt sind und vermietet werden, ist mir neu. Im Schatten der Gummibäume lässt es sich sicher aushalten.
366 Vietnam 2010 Tunnelsystem Cu Chi 1Gegen 09:45 Uhr sind wir am Kassenhaus des Cu Chi Tunnelsystems angekommen. Zur Einführung sehen wir uns einen Propagandafilm an, von dem sogar Than sagt, dass er übertrieben ist. Neben dem Flachbildschirm wird in einer Vitrine das Schnittmodel eines Tunnelabschnittes gezeigt. Hier kann man sich den besten Eindruck über die Struktur des Systems machen. Auf dem Rundgang sehen wir die versteckten Luftlöcher, verschiedene Varianten von Eingängen und Fallen und einige Räume, welche zur besseren Besichtigung an der Erdoberfläche aufgebaut wurden. Das Original konnte wegen seiner geringen Abmaße von den Amerikanern nicht durchsucht werden. 370 Vietnam 2010 Tunnelsystem Cu Chi 5Ein Teil des Tunnelsystems wurde ausgebaut und erweitert, sodass sogar übergewichtige Amerikaner und Europäer durch die Röhren kriechen können. Im Vietnamkrieg schickten die Amerikaner Thais und Koreaner in das System, welche ihren Einsatz oft nicht überlebten. Verschiedenartige Fallen an der Erdoberfläche und in den Tunnels brachten dem Gegner schwere Verletzungen bei und oft sogar den Tod. Die Amerikaner besprühten das Gelände nacheinander mit Napalm, Giftgas und Diesel und bombardierten es. Heute kommen die Kriegsveteranen zurück und nutzen die für sie gebauten Schießstände. Ein Schuss kostet einen Dollar und in wenigen Minuten verballert hier manch einer ein Vermögen. Reinhard schafft es sich durch einen der Eingänge zu zwängen. Ob die Abmaße noch Original sind, wage ich zu bezweifeln. Dafür wurde hier so vieles besucherfreundlich umgestaltet und an die Erdoberfläche geholt, dass alles einen künstlichen Eindruck macht. Diverse Souvenirshops und Imbissstände am Schießstand sowie am Eingangsbereich täuschen darüber hinweg, dass wir uns an einem ehemaligen Kriegsschauplatz befinden. 378 Vietnam 2010 Saigon 17Diesen Tagesordnungspunkt hätte man von mir aus streichen können. Nach 2 Stunden haben wir den Rundgang beendet und sind wieder am Bus angekommen.
Nach dem abwechslungsreichen Mittagessen in Saigon beginnen wir um 14:15 Uhr am Hauptpostamt mit der Besichtigung. 381 Vietnam 2010 Saigon 20Eines der ältesten Kolonialbauten der Stadt ist das zwischen 1886-91 von dem französischen Architekten Gustav Eifel erbaute Bưu điện trung tâm, das Hauptpostamt von Saigon. Mich erinnert das Gebäude eher an einen großen Bahnhof und auch die große Halle mit der Gewölbedecke hat nicht viel von einem Postamt. Der Blick schweift in die Runde und man entdeckt immer mehr Details des schönen Gebäudes. Überrascht bin ich von der Funktion als wirkliches Postamt. Es gibt Schreibtische zum Verfassen der Postsendung und sogar einen Schreiber, welchem die Analphabeten einen Brief diktieren können. Er hat im Laufe seines über 80 jährigen Lebens, verschiedene Sprachen gelernt und kann sich sogar mit den Elsässern aus unserer Gruppe auf Französisch unterhalten. In den Seitenflügeln gibt es Stände für Souvenirs, Postkarten und Briefmarken. Die Auswahl von Postkarten ist hier sehr groß.
Auf der anderen Straßenseite sehen wir die Kathedrale Notre Dame. Sie ist die größte Kirche, welche jemals in den französischen Kolonien erbaut wurde. Nhà thờ Đức Bà wurde von 1877-83 errichtet und war zu dieser Zeit das höchste Gebäude Saigons. Die Kirche aus Granitstein wurde mit roten Kacheln verkleidet und sieht eher wie ein Backsteinbau aus. Das Innere der Kirche soll nicht sehr schön gestaltet sein und wir gehen weiter.
386 Vietnam 2010 Saigon 25Unser nächstes Ziel ist das Opernhaus der Stadt. Nhà hát lớn Thành phố Hồ Chí Minh wurde 1899 fertiggestellt und war für lange Zeit der gesellschaftliche Mittelpunkt der Stadt. Es wurde als Konzerthalle gebaut und 1956 durch die südvietnamesische Nationalversammlung als Sitz missbraucht. Erst 1975 wurde es durch die Kommunisten als Theater wieder eröffnet. In der modernen Zeit finden hier auch Rockkonzerte, Tanzvorstellungen und Modenschauen statt.
Than denkt schon an das Abendessen und zeigt uns in einer Nebenstraße ein Restaurant der gehobenen Kategorie. Wir sehen uns kurz die Speisekarte an und haben das Restaurant für heute Abend gefunden. Wir gehen weiter zum Hôtel de Ville, dem Rathaus der Stadt. 388 Vietnam 2010 Saigon 27Es wurde von 1901-1908 erbaut und ist heute Sitz des Volkskomitees von Ho-Chi-Minh City. Man könnte glauben, dass das Gebäude früher als Hotel genutzt wurde, doch man hat nur den Stil des Pariser Rathauses Hôtel de Ville kopiert. Die Innenräume sind nicht für den Besucherverkehr freigegeben und können deshalb nicht besichtigt werden. Es ist 15:15 Uhr und unser kurzer Stadtrundgang wird hier beendet.
Wir können mit dem Bus zum Hotel fahren oder gleich in der Stadt bleiben. Unsere Reisegruppe trennt sich und wir bleiben gleich in der Stadt. Wie uns unserer Reiseleiter versichert, gibt es in der Lưu Văn Lang Straße sehr preisgünstig Originalware von The North Face und anderen Marken, welchen in Vietnam fertigen lassen. Im Shop Nummer 37 probieren wir bei über 30 °C im Schatten Winterjacken an. Das Anziehen ist noch relativ leicht, aber ohne fremde Hilfe kommt man aus den Jacken nicht mehr heraus. Die Qualität scheint es so weit in Ordnung zu sein. Wir verfolgen die Preisverhandlung anderer Touristen und haben uns für zwei Jacken entschieden. Wir können uns auf 35 $ pro Jacke einigen. Als kleinen Service machen sie aus den dicken Jacken sehr kleine Päckchen. Schräg gegenüber sind mehrere Schuhläden nebeneinander. Nach längerem Suchen und Anprobieren habe ich ein paar sehr schöne Sandalen gefunden. Der Preis ist so gering, dass ich nicht versuche den Betrag zu drücken.
In der Straße Le Loi habe ich einige Fotogeschäfte gesehen. Ich suche ein Ersatzkabel für mein GPS-System und möchte hier mein Glück versuchen. Nach mehreren vergeblichen Anläufen greift ein Verkäufer zum Telefon und behauptet, mir das Kabel für 50 $ besorgen zu können. So dringend benötige ich das Kabel nun auch wieder nicht.
390 Vietnam 2010 Ben Than Markt 1Wir gehen zurück zum Ben Thanh Markt, den wir uns jetzt ansehen wollen. Der riesige Komplex wurde 1914 von den Franzosen als zentraler Markthalle gebaut und ist der größte Markt Saigons. Er ist noch heute ein zentraler Verkehrsknotenpunkt und hilft bei der Orientierung im Stadtzentrum. Hier gibt es fast alles zu kaufen, was man gebrauchen kann. Egal ob man Lebensmittel, Schuhe, Kleidung, Tiere oder Werkzeug sucht, man muss nur den richtigen Stand finden. 387 Vietnam 2010 Saigon 26Gegen Abend werden an einer Seite des Marktes Tische und Stühle aufgebaut, und innerhalb weniger Minuten hat man zwischen mehreren Restaurants die Auswahl. Than hat uns erzählt, dass es hier schon öfter zu Verständigungsschwierigkeiten kam. So werden hier teilweise Hummer als Garnelen bezeichnet und spätestens, wenn man nach der Stückzahl gefragt wird, sollte man stutzig werden. Mehrere deutsche Touristen hatten schon fünf und mehr Hummer auf dem Teller. Der Rechnungsbetrag war dann mehrere 100 $.
Wir versuchen schon seit einiger Zeit das Restaurant Lemongrass wieder zu finden, aber die Straße auf der Visitenkarte finden wir nicht auf dem Stadtplan. Eine Verkäuferin aus einem Schmuckladen konnte uns den Weg gut beschreiben, aber wir haben sicherheitshalber ein Taxi genommen. Ohne Tischreservierung hat man in diesem Restaurant kein Glück. Weil wir aber mit dem Taxi kommen sind und die Visitenkarte des Restaurants in der Hand haben, finden sich noch zwei Plätze. Das Essen ist fantastisch und viel zu reichlich. Wir bezahlen zwar 300.000 VND aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Ein Taxi bringt uns für 50.000 VND zurück zum Hotel.
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