13. März 2010
Warum wir heute um 06:00 Uhr aufstehen müssen, bleibt mir ein Rätsel. Nach dem Frühstück machen wir einen Ausflug in die Tempelstadt My Son. Wir verlassen Hoi An in Richtung Westen und sehen kurz nach dem Ortsausgang einen vietnamesischen BMW. BMW ist hier die Abkürzung für Bauer mit Wasserbüffel. Die Arbeitsstiere der vietnamesischen Reisbauern sind sehr launisch und stellen die Arbeit einen, so wie es ihnen zu warm wird. Dieser Bauer hat sich mit seinem Tier an die Straße gestellt und ist natürlich für uns Touristen ein willkommenes Fotomotiv. So verdient er noch einige vietnamesischen Dong nebenbei.216 Vietnam 2010 von Hoi An nach My Son 3217 Vietnam 2010 von Hoi An nach My Son 4
Die Gegend westlich von Hoi An ist stark von der Landwirtschaft geprägt und wir sehen immer wieder riesige Reisfelder. Die Frauen stehen bis zur Hüfte im satten Grün und winken uns freundlich zu. Kamerascheu sind die Vietnamesen wirklich nicht, auch wenn nach dem Foto oft die Hand ausgestreckt wird. Die Frauen im Reisfeld winken hier aber einem fahrenden Bus zu.
Nach über eineinhalb Stunden Fahrt sind wir kurz nach 9:00 Uhr auf dem Parkplatz der Tempelanlage angekommen. An einer Tafel erklärt uns Than die Bedeutung und den Aufbau der Anlage. Hier sind wir noch unter uns und werden von keiner anderen Reisegruppe gestört. Im Unterschied zu anderen Chamstätten liegen die Ruinen von My Son in einer Senke. Die Tempelstadt war vom 4. bis 13. Jahrhundert das religiöse Zentrum der Cham und auch der größte Tempelkomplex. Französische Archäologen entdeckten 1890 bei Ausgrabungen dieses Heiligtum und teilten es in 10 Gruppen auf. Insgesamt wurden 70 Tempel entdeckt aber nur 20 sind gut erhalten. Das abgelegene Gebiet wurde 1968 von der US-Luftwaffe unter Beschuss genommen und zu einem der meist bombardierten Ziele Zentralvietnams. Die Gruppe A der Chamsiedlung wurde dabei fast vollständig zerstört. Einschüsse und Bombentrichter sind noch sichtbar, auch wenn man sie nicht sofort erkennt.
220 Vietnam 2010 Tempelstadt My Son 3222 Vietnam 2010 Tempelstadt My Son 5Wir wollen uns in der Nähe der Ruinen eine Tanzvorführung ansehen. Dazu müssen wir aber noch einen längeren Weg gehen und Than beende seine Ausführungen. Am Wegesrand fallen mir große trichterartige Spinnennetze auf. Sie haben einen Durchmesser von etwa 30 cm und im Trichter sitzt eine Spinne. Je weiter wir laufen desto häufiger werden die Spinnennetze. Die Fotografen sind von den Tieren abgelenkt und merken erst spät, dass sich unsere Reisegruppe nicht für die Spinnen interessiert. Erst als der Blickkontakt abreißt, warten sie auf uns.
Als wir eintreffen beginnt die Vorstellung gerade. 223 Vietnam 2010 Tempelstadt My Son 6Mit diversen Tänzen und traditioneller Musik soll den Besuchern die Kultur der Cham näher gebracht werden. Die Veranstaltung dauert etwa 20 min und ist nach meiner Meinung der Höhepunkt dieses Besuchs. Weil die Cham zur Gründungszeit von My Son nur Holz und Lehm als Baumaterial verwendeten, sind aus dieser Zeit keine Überreste erhalten. Erst mit der Herrschaft von König Prakasadharmas wurde als Baumaterial Sandstein verwendet. Seit 1981 wird die Tempelstadt mit internationaler Hilfe wieder instand gesetzt. My Son gehört seit 1998 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Weil nach der Vorstellung alle Reisegruppen gemeinsam den Rundgang beginnen, dauert es etwas, bis sich die Besucher auf die Anlage verteilt haben. Vor allem für die begehbaren Bauwerke mussten wir etwas Zeit mitbringen.225 Vietnam 2010 Tempelstadt My Son 8230 Vietnam 2010 Tempelstadt My Son 13 Zwei Hallen in der Sektion D dienen als Strukturenmuseum. Die hier ausgestellten Exponate wurden aus bombenbeschädigten Schreinen gerettet. Die tropische Vegetation versucht immer wieder, die Ruinen zu überwuchern. Auf vielen Bauten wachsen schon wieder Sträucher und Bäume. Nach knapp einer Stunde beenden wir den Rundgang. Mit den Gruppen B bis D haben wir nur die wichtigsten Gebäude besichtigt. Für den Rückweg wählt Than einen schmalen Pfad durch den Dschungel. Die Landschaft hier ist traumhaft. 233 Vietnam 2010 Tempelstadt My Son 16Auf dem Rückweg machen wir noch einmal Halt und Than zeigt uns Erdnuss- und Reispflanzen.
Wir fahren gegen 11:00 Uhr zurück noch Hoi An und gehen in einer typischen Touristenkneipe essen. Anschließend machen wir einen Stadtrundgang und beginnen in einer großen Schneiderei. Das Geschäft macht einen sehr exklusiven Eindruck und erfüllt die Kundenwünsche innerhalb von 24 Stunden. Die meisten aus unserer Gruppe haben hier sowieso keine Kaufabsichten und sehen sich nur noch etwas in den Verkaufsräumen um. Unten befindet sich noch ein großer Verkaufsraum, in dem Lampenschirme, Schmuck und Lederwaren angeboten werden. Vielleicht sehen wir uns hier noch einmal um, wenn wir am Strand von Hoi An Urlaub machen.
239 Vietnam 2010 Stadtrundgang Hoi An 4Als Nächstes besichtigen wir die 1697 gegründete Phuoc Kien-Versammlungshalle. Nach dem Ende der Ming Dynastie, aus der chinesischen Provinz Fujian geflohene Kaufleute, weihten den Tempel der Meeresgöttin Thien Hau. Die Schutzpatronin der Seeleute wacht am Eingang, begleitet von rot- und grüngesichtigen Helfern, welche sie bei jedem Schiffsunglück alarmieren. Über den offenen Innenhof gelangt man zur hinteren Kammer, welche den drei Säulen der chinesischen Lebensphilosophie gewidmet ist – Ahnenverehrung, Wohlstand und Kindersegen. Die sechs sitzenden Statuen repräsentieren die Gründerväter.
Nach 20 Minuten haben wir genug gesehen und von Tempeln langsam die Nase voll. Ein Teil der Innenstadt ist für den Verkehr gesperrt und wir können uns auf die schönen Häuser und Straßen konzentrieren. Ein Hochzeitspaar lässt sich vor schönen Hintergrund fotografieren und hat es dann eilig. 245 Vietnam 2010 Stadtrundgang Hoi An 10246 Vietnam 2010 Stadtrundgang Hoi An 11Ein altes Mütterchen stellt sich gekonnt in Pose und bessert so ihre Tageseinnahmen auf. Wir freuen uns über das schöne Motiv. Nur wenige Meter weiter, stehen wir vor der Japanischen Brücke. Sie wurde 1593 – 1595 von der wohlhabenden japanischen Handelsgilde errichtet, die ihren Sitz im Westen der Stadt hatte. Die 18 m lange überdachte Brücke, über einen Nebenfluss des Thu Bon, verband seitdem das japanische und das chinesische Viertel von Faifo. Faifo ist der alte Name von Hoi An. Die Handelstätigkeit wurde 1663 von japanischer Seite verboten und viele Japaner gehrten in ihre Heimat zurück. 1719 baute man einen vietnamesischen Tempel in den Nordteil der Brücke. Ihren heutigen Namen Lai Vien Kieu – Brücke aus der Ferne – verwendet man nicht, sondern nennt sie immer noch Japanische Brücke.
248 Vietnam 2010 Stadtrundgang Hoi An 13Zum Abschluss sehen wir noch eines der schönsten Häuser der Stadt an. Das Tan Ky-Haus ist ein schönes Beispiel eines chinesisch-vietnamesischen Ladenbaus aus dem 18. Jahrhundert. Es wird seit 5 Generationen von einer aus Südchina stammenden Familie bewohnt. Sie kam mit dem Handel von Tee, Zimt und Arekanüssen zu großem Wohlstand. Wir bekommen eine Tasse Tee zur Begrüßung und müssen noch etwas warten, bis sich eine andere Gruppe verabschiedet. Das Tan Ky-Haus ist seit 1975 im Besitz der Stadt. Sein Eigentümer genießt hier nur noch Wohnrecht. So aufwendig der vordere Teil des Hauses bis zum Innenhof auch ist, so einfach sind die anschließende Räume gestaltet. Wenn ich jetzt sehe, wie die Tassen abgewaschen werden, hätte ich vorhin lieber keinen Tee getrunken. Den Blick in den Toilettenraum spare ich mir. Man muss nicht alles gesehen haben. 251 Vietnam 2010 Stadtrundgang Hoi An 16Wasserstandsmarken an den Säulen zeigen einen Nachteil vom Leben am Fluss. 1964 muss das Wasser bis zum oberen Stockwerk gestanden haben. Fast in jedem Jahr, in den Monaten Oktober und November, kommt es zu Beginn der Regenzeit zu Überschwemmungen.
Auf dem Rückweg zum Bus gehen wir an der Halle des Zentralmarktes entlang. Auch hier gibt es sehr schöne Stände mit Blumen und Obst. Nachdem wir 15:30 Uhr wieder im Hotel angekommen sind, haben wir den Rest des Tages zur freien Verfügung. Nach der Kaffeepause und einigen Runden im Pool machen wir einen Spaziergang in Richtung Strand. Weit kommen wir erst einmal nicht. Schon nach wenigen Metern liegt ein Restaurant idyllisch am Fluss. Zum Essen ist es noch nicht spät genug, aber etwas trinken könnte man ja. Das Bier ist leider nicht sehr kalt und die Pina Colada schmeckte säuerlich. Die Aussicht auf das Geschehen am Fluss ist eine kleine Entschädigung. Zum Abendessen gehen wir wieder in das gleiche Restaurant wie am Vorabend. Die Einzeltische sind schnell zusammengestellt und die lustige Runde sitzt wieder zusammen.
< < < Zurück - - - < < < Übersicht > > > - - - Nächste > > >

 

(2624)